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Rückblick Fachtagung "Weibliche Genitalkorrekturen. Ästhetische Notwendigkeit oder Verstümmelung?"
Mittwoch, 30. Juli 2008
Das Wiener Programm für Frauengesundheit, die Österreichische Gesellschaft für Sexualmedizin (ASSM) und die Österreichische Gesellschaft für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie dem Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) luden Experten und Expertinnen ein, über den neuen Trend in der Plastischen Chirurgie zu diskutieren. Denn Verkleinerungen oder Unterfütterungen der Schamlippen, Modifikationen der Klitoris oder Verengungen der Vagina erleben derzeit einen ungeheuren Boom.Diese Genitalkorrekturen sind jedoch selten medizinisch indiziert. Vielmehr liegen ihnen die Verunsicherung der Patientin über das Aussehen ihres Körpers und der hohe gesellschaftliche und mediale Druck, „schön und perfekt“ zu sein, zu Grunde. „Umso wichtiger ist es deshalb, dieser Verunsicherung von Frauen und Mädchen entgegenzuwirken und ihr Selbstbewusstsein zu stärken“ plädiert die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Maga Sonja Wehsely. Auch die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte, Univ. Profin Drin Beate Wimmer-Puchinger betonte dies in ihrem Vortrag. Sie wies darauf hin, dass nicht nur digital bearbeitete Bilder in Medien und Werbung, sondern vor allem auch die wachsende Pornoindustrie unwirkliche neue Standards von glatten und jungfräulichen Abbildungen des Geschlechtsorgans produzieren. Eine intensive sexualpädagogische Aufklärung ist daher dringend notwendig, so Wimmer-Puchinger abschließend.
Fehlende Aufklärung der Patientinnen bemängelten auch die Mitveranstalterinnen Univ. Profin Drin Maria Deutinger, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für plastische Chirurgie, und Drin Elia Bragagna, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Sexualmedizin. „Die Nachteile dieser Operation überwiegen sicher die Vorteile“, meinte Primaria Deutinger. Verlust des Hautempfindens, Narbenschmerzen, Nachblutungen und die Beeinträchtigung des Harnflusses können mögliche Folgen des Eingriffs sein. Dass aber auch das Lustempfinden der Frau durch die Korrektur massiv beeinträchtigt werden kann und dies nur wenigen Frauen und auch den operierenden ÄrztInnen bewusst ist, gab Drin Bragagna warnend zu bedenken.
Die Ausführungen der ReferentInnen wurden vom Publikum aufmerksam verfolgt. Rund 140 TeilnehmerInnen, darunter PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, GynäkologInnen und Plastische ChirurgInnen, waren an diesem heißen Sommertag in die Rudolfstiftung gekommen und nutzten die Gelegenheit zur Weiterbildung und Diskussion. „Eine kompetente Thematisierung des Trends zur ‚Designer Vagina’ in seiner ganzen Bandbreite war längst überfällig. Ich bin sehr froh, dass dieses Thema heute öffentlich diskutiert wurde“, zeigte sich eine anwesende Psychotherapeutin zufrieden. Dieser Meinung schlossen sich auch die restlichen TeilnehmerInnen an: Eine Veranstaltungsevaluierung ergab, dass 92 Prozent der Anwesenden mit der Veranstaltung sehr zufrieden waren und besonders den interdisziplinären Zugang zu diesem spannenden, aktuellen aber auch brisanten Thema schätzten.Im Rahmen der Veranstaltung sprachen:
Bitzer Johannes, Dr., Univ. Prof., Gynäkologe, Leitung der Abteilung Gyn. Sozialmedizin und Psychosomatik an der Universitätsfrauenklink Basel
Bragagna Elia, Dr.in,Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychosomatik (ÖAGG), Sexual- und Psychotherapeutin, Präsidentin der österreichischen Gesellschaft f. Sexualmedizin (ASSM)
Deutinger Maria, Dr.in, Primaria, Univ. Prof.in, Fachärztin für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Vorstand der Abteilung für Plastische und Wiederherstellungschirurgie in der Krankenanstalt Rudolfstiftung, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft f. Plastische Chirurgie
Gebhart Marion, Dr.in,Juristin, Obermagistratsrätin, Dienststellenleiterin MA 57 – Frauenförderung und Koordinierung von Frauenangelegenheiten, Referatsleiterin MA 57 -Frauentelefon
Klicka Marianne,Gemeinderätin, Landtagsabgeordnete
Konrad Ulla, Mag.a, klin. und Gesundheitspsychologin, Präsidentin des BÖP (Berufsverband österreichischer PsychologInnen)
Maier Barbara, DDr.in,Univ. Doz.in,Gynäkologin, Philosophin und habilitierte Medizinethikerin, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie der Universitätsklinik f. Frauenheilkunde und Geburtshilfe Salzburg, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGPGG)
Wimmer-Puchinger Beate, Dr.in, a.o. Univ.Prof.in, Psychologin, Wiener Frauengesundheitsbeauftragte und Direktorin des Wiener Programms für Frauengesundheit, Professorin am Institut für Psychologie der Universität Salzburg
Auf Anfrage beim Wiener Programm für Frauengesundheit (Tel.: 01/4000 87162; frauengesundheit@ma15.wien.gv.at) können die Powerpoint-Präsentationen der ReferentInnen als pdf per Email zugeschickt werden.
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