Breadcrumb
Navigationsmenü
Inhalt
10 Jahre Wiener Frauengesundheitsprogramm
"Wien spielt Vorreiterrolle in Europa"
Donnerstag, 15. Oktober 2009
"Das WPFG hat Maßstäbe gesetzt und Wien zum Trendsetter gemacht - nicht nur in Österreich, sondern auch international", führt Sonja Wehsely weiter aus. "Frauen und Männer sind unterschiedlichen psychosozialen Belastungen ausgesetzt, die krank machen können. Besonders großen Stellenwert haben deshalb jene Projekte, die es Frauen erleichtern, ein gesundes Leben zu führen. Hier geht es um ganz konkrete Angebote, die das WPFG setzt und so aktive Gesundheitsförderung und -vorsorge zu den Frauen bringt", so die Gesundheitsstadträtin.
Soziale Benachteiligungen beseitigen, bedeutet Gesundheit fördern
"Gesundheit hat nicht nur ein Geschlecht, sie hat auch ganz klar eine soziale Dimension. Es gibt zahlreiche Belege für die Tatsache, dass Armut und Bildungsferne krank machen. Frauen und Mädchen in schwierigen sozialen Lebenslagen haben nicht die gleichen Chancen auf gute Gesundheit wie Menschen, die in besseren sozialen Verhältnissen aufwachsen und leben. Hier ist es die Aufgabe der Politik, gegenzusteuern", sagt Frauen- und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger. "Leider sind jene weiblichen Zielgruppen, die besonderen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt sind, auch jene, die am schwersten zu erreichen sind. Dazu gehören Alleinerzieherinnen, Migrantinnen, Frauen mit Behinderungen oder ältere Frauen. Deshalb beschäftigen sich Projekte des WPFG ganz gezielt mit diesen Bevölkerungsgruppen." Die Frage des Zugangs und des Abbaus der Schwellen zum Gesundheitssystem für diese benachteiligten Gruppen stelle einen wesentlichen Teil der Arbeit des WPFG dar.
Die breite Palette an Themen, die das WPFG in den vergangenen zehn Jahren bearbeitet hat, spiegelt sich auch im Programm der bevorstehenden Frauengesundheitstage fem vital 2009 wider. Ein thematischer Schwerpunkt ist Fragen der sozialen Benachteiligung und aktuellen wirtschaftlichen Problemen gewidmet. Eine Round- Table-Diskussion befasst sich mit der Frage "Frauengesundheit in Zeiten der Krise - Wenn Job- Stress und Arbeitslosigkeit krank machen."
Tausende Frauen erreicht - hohe Bekanntheit, hohe Wertschätzung
Das Themenspektrum des Wiener Programms für Frauengesundheit ist breit gestreut. In den vergangenen zehn Jahren reichte es von Programmen zur Förderung der Herzgesundheit und der Übergewichtsprävention über Initiativen zum Brustkrebsscreening bis hin zu einem umfangreichen Angebot für junge Mütter. "Das Programm vereint ExpertInnen aus vielen Fachrichtungen und setzt auf ein professionelles Netzwerk von Gesundheitseinrichtungen, Vereinen und Institutionen", beschreibt Prof.in Wimmer-Puchinger die Ausrichtung. "Ziel war und ist die Mitgestaltung einer frauenfreundlichen Gesundheitspolitik, ein breites Angebot an Prävention und die nachhaltige Verankerung von frauenspezifischen Angeboten in der Wiener Gesundheitsstruktur." Von diesen engagierten Aktivitäten haben in den ersten zehn Jahren des WPFG zahllose Wienerinnen profitiert, die Bilanz kann sich sehen lassen. Hier ein Auszug:
220.000 Frauen erhielten eine Einladung bzw. Informationen zum Mammographie-Screening
80.000 Frauen informierten sich bei den Frauengesundheitstagen fem vital
22.000 SchülerInnen wurden in Vorträgen zum Thema Essstörung informiert
19.000 Beratungen an der Hotline für Essstörungen wurden durchgeführt
12.000 Frauen wurden im Rahmen der Herz-Kreislauf-Prävention "Mit Herzenslust - leichter leben" in Kooperation mit FEM Süd erreicht
5.000 SchülerInnen besuchten sexualpädagogische Workshops
2.700 Beratungen in zum Thema "postpartale Depression" wurden in der PPD-Elternambulanz/Wilhelminenspital durchgeführt: 1700 davon deutsch-, 1000 türkischsprachig 1000e Frauen besuchten die Informationsabende Was die Wienerinnen bewegt" zu Themen wie Depression, Sexualität oder Inkontinenz.
21 wissenschaftliche interdisziplinäre Konferenzen wurden organisiert
30 kostenlose Folder und Broschüren wurden veröffentlicht, zum Teil mehrsprachig
zahlreiche Schulungen für MultiplikatorInnen wurden durchgeführt: z. B. besuchten 880 ÄrztInnen eine Schulung zum Thema Gewaltprävention, 300 LehrerInnen besuchten Essstörungs Workshops
Aktiv gegen Körperunzufriedenheit
Ein aktueller Schwerpunkt des WPFG lässt sich mit dem Fachbegriff "body politics" zusammenfassen: Gemeint sind damit Projekte, Programme und Maßnahmen, die Frauen dabei unterstützen sollen, Zufriedenheit und eine positive Einstellung zu ihrem Aussehen und ihrem Körper zu entwickeln.
Das ist dringend nötig, denn unter dem Eindruck von vor allem medial vermittelten Schönheitsidealen ist die Unzufriedenheit offenbar große, wie eine empirische Untersuchung des WPFG zeigt. Einige Ergebnisse:
82 Prozent der Frauen sehen ihr Idealgewicht unter ihrem derzeitigen Gewicht
83 Prozent der Frauen sind mit ihren Körperproportionen unzufrieden
80 Prozent der Frauen machen ihren Selbstwert vom Gewicht abhängig
82 Prozent der Frauen haben Angst davor, zuzunehmen.
"Die rasche Medien-, Bilder- und Informationsgesellschaft verändert die Sichtweise auf den weiblichen Körper, und durch Verinnerlichung auch das Körpergefühl bereits junger Mädchen", erklärt Prof.in Wimmer-Puchinger. Diese Entwicklung hat auch gesundheitliche Bedeutung, so die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte: Denn ein negatives Körperbild sei Nährboden für ein geringeres Selbstwertgefühl, eine höhere Anzahl von Diäten, Störungen des sexuellen Erlebens, soziale Ängste, höhere Depressions-Raten, höhere Essstörungs-Raten und mehr Schönheitsoperationen. "Nur ein gemeinsamer und interdisziplinärer Schulterschluss kann helfen, dass wir den Druck von unseren Töchtern und von uns nehmen, uns in ein frauenverachtendes Korsett zu stecken", fordert Prof.in Wimmer- Puchinger. "Es gilt, der Normierung des weiblichen Körpers entgegen zu wirken und ein positives Körper- und Selbstwertgefühl bei Kindern und Mädchen zu stärken."
Wien sehr aktiv gegen unerreichbare Schönheitsideale
Die Stadt Wien ist in diesem Bereich seit Jahren besonders aktiv: Als erste europäische Stadt startete Wien im Rahmen des Frauengesundheitsprogramms eine umfassende Initiative zum Thema Essstörungen. Die Initiative S-O-Ess setzt sich unter dem Motto "No BODY is perfect" gegen unerreichbare Schlankheitsideale und krank machende Vorbilder ein. "PolitikerInnen, GesundheitsexpertInnen sowie die Teile der Branchen Mode, Werbung, Medien und Show-Business unterstützen die Bewusstseinsbildung zu diesem Thema", so Prof.in Wimmer-Puchinger. Auch in der Betreuung von Frauen, bei denen bereits körperbildbezogene Gesundheitsstörungen aufgetreten sind, ist die Stadt aktiv, unter anderem mit der kostenlosen Essstörungshotline 0800 20 11 20 und ein umfassendes Netzwerk mit Schulen. "Selbst ist die Frau - Schönheit um jeden Preis?" heißt eine Aufklärungsbroschüre des Wiener Programms für Frauengesundheit, das über Risiken bei Schönheitsoperationen aufklärt ( www.diesie.at ).
Diese Seite
drucken
weiterempfehlen
bewerten










