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Berliner Armutskonferenz: Ethik als Herausforderung im Gesundheitsbereich
Wiener Programm für Frauengesundheit hält Vortrag zu Schamlippenkorrekturen
Freitag, 15. Januar 2010
In seiner Eröffnungsrede meinte DDDr. Clemens Sedmak, Universitätsprofessor am renommierten Kings College in London und Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg, dass es bei Armut nicht nur um verfügbare Güter ginge. Entscheidend sei auch, welche Beziehung Menschen zu einem bestimmten Gut pflegen könnten. Gesundheit sei ein Fähigkeitsbündel, mit dem eigenen Körper und seiner Ausstattung bestmöglich umzugehen.
In diesem Zusammenhang wirkte Maga Michaela Langers Vortrag „Der gemachte Körper – die genormte Frau“ im Forum „Genitale Ästhetik“ besonders spannend, denn von einem bestmöglichen Umgang mit ihrem Körper sind viele Frauen weit entfernt. Wie die stellvertretende Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit ausführte, ist gerade der weibliche Körper vielfältigen gesellschaftlichen Normierungen und wirtschaftlichen Interessen unterworfen, für individuelle Körperformen und eine entspannte Beziehung zum eigenen Körper scheint kein Platz mehr zu sein.
Pornographie als Wegbereiter der Designvagina
Der Schönheits- und Jugendlichkeitswahn hat nun sogar intimste Körperregionen erreicht, Schamlippenverkleinerungen und sogenannte vaginale Verjüngungen sind laut der „American Society of Plastic Surgery“ das am schnellsten wachsende Segment der Schönheitschirurgie.
Die meisten dieser Eingriffe seien dabei medizinisch nicht indiziert, so Michaela Langer, sondern folgten einem Trend, der maßgeblich von den Körperidealen der Pornoindustrie geprägt wurde. Als Nährboden diene zusätzlich die hohe Körperunzufriedenheit von Mädchen und Frauen sowie ihre Verunsicherung über ihr Genital. Tabuisierung und das Fehlen von Bildern abseits der Pornografie lässt viele Frauen denken, „da unten“ nicht perfekt zu sein und eine Korrektur zu benötigen.
Dabei ist Vaginalchirurgie ein Bereich, dessen Sicherheit und Wirksamkeit nicht genügend wissenschaftlich untersucht ist. Ausreichende Daten über mögliche Komplikationen wie etwa Einschränkungen und Verluste der sexuellen Erlebnisfähigkeit, Infektionen, Schmerzen und Narben liegen noch nicht vor.
Das Wiener Programm für Frauengesundheit, das sich auch seit Jahren gegen die Genitalverstümmelung von Frauen einsetzt, baut auf Enttabuisierung und Aufklärungsarbeit. Speziell bei den Jungen, so Langer, sei Information aufgrund der anhaltenden Sexualisierung und Pornografisierung des öffentlichen Raumes wichtig. Der vom WPFG gestaltete und produzierte Aufklärungsfilm „Sex – we can?“ widmet sich daher auch dem vielfältigen Aussehen weiblicher und männlicher Genitalien um speziell Mädchen Sicherheit zu geben.
Rund 150 TeilnehmerInnen verfolgten den Vortrag mit großem Interesse und äußerten in der anschließenden Diskussion breite Zustimmung.
Informationen über die 15. Konferenz Armut und Gesundheit finden Sie unter
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