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Das hässliche Geschäft mit vermeintlicher Schönheit
Die plastische Chirurgie boomt – Risiken fallen dabei oft unter den Tisch
Dienstag, 18. Mai 2010
Rund 40.000 bis 50.000 Menschen in Österreich – der überwiegende Anteil sind Frauen – unterziehen sich jedes Jahr einer sogenannten „Schönheits“-Operation. Dieser Trend wird von den Medien in vielen Fällen massiv unterstützt. Das reicht von euphorischen Berichten über die Möglichkeiten, die die plastische Chirurgie bietet, über Fernsehserien, mittels derer suggeriert wird, wie einfach eine „Schönheits“-Operation sei bis hin zu Radiosendern, die derartige Operationen gar verlosen.
Win your own surgery!
So läuft derzeit im österreichischen Privatsender ATV eine Serie, in der der Alltag von SchönheitschirurgInnen dargestellt wird. Fast völlig kritiklos schwärmen die ReporterInnen über die Möglichkeiten, die die plastische Chirurgie bietet – Risiken werden, wenn überhaupt, nur in Nebensätzen erwähnt.
Und der Wiener Radiosender „Energy“ veranstaltet derzeit ein Gewinnspiel, bei dem die Siegerin/der Sieger eine „Schönheits“-Operation gewinnen kann.
Das Geschäft mit der sogenannten „Schönheit“ boomt. Dabei wird gerne vergessen, dass auch diese Eingriffe zum Teil nicht unerhebliche Risiken bergen:
Risiko Operation
Operationen, die ausschließlich der „Verschönerung“ dienen, sind und bleiben nichts desto weniger operative Eingriffe, die mit Risiken einhergehen können. Das reicht vom Narkose- über Durchblutungsstörungen und Infektionen bis hin zu Narbenbildungen. Nicht immer entspricht zudem das Ergebnis des Eingriffs den Erwartungen der PatientInnen. Und: Probleme mit dem Selbstwertgefühl können auch durch eine „Schönheits“-Operation nicht behoben werden.
Das Geschäft mit der Schönheit
„Schönheit“ ist ein boomender Markt für ÄrztInnen. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass zwar eine Ausbildung zur Fachärztin/zum Facharzt für plastische Chirurgie existiert und FachärztInnen für plastische Chirurgie daher am besten ausgebildet, berechtigt und befähigt sind. Viele Formen der „Schönheitschirurgie“, wie etwa Fettabsaugungen, Botoxunterspritzungen, und ähnliches, werden allerdings auch von ÄrztInnen anderer Fachrichtungen durchgeführt werden, wenn sie entsprechende Kurse absolviert haben. Die Qualitätssicherung ist daher ein zentrales Thema. Für Konsumentinnen ist es oft mühsam, die medizinische Fachqualität des von ihr gewählten Arztes/der von ihr gewählten Ärztin im Vorfeld zu ermitteln. Die Begriffe „Schönheitschirurgie“ und „kosmetische Chirurgie“ sind rechtlich nicht geschützt – jede Ärztin/jeder Arzt mit einer entsprechenden Weiterbildung – mag sie auch nur aus einem Wochenendkurs bestehen – darf diese Bezeichnungen führen.
90-60-90 gelten als die optimalen Maße für Frauen. Diese Maße sind weithin akzeptiert, es wird suggeriert, dies seien tatsächlich erreichbare und gesunde Maße. Das ist falsch: Lediglich 6 von 10.000 Frauen weisen eine Taille von 60 cm auf.1 Das ist auch völlig logisch, denn dieses Taillenmaß entspricht dem eines gesunden neunjährigen Mädchens.
Und wie individuell sind Sie?
Individualität wird in unserer Gesellschaft scheinbar sehr groß geschrieben. Das boomende Geschäft mit der „Schönheit“ spricht gegen diesen gesellschaftlichen Trend. Denn vorgegebene Maße und Formen, die mit Hilfe von Diäten und schönheitschirurgischen Eingriffen erreicht werden sollen, widersprechen jedem Gedanken an Individualität. Und auch die Aussage: „Ich mache das für mich selbst“ als Argument für einen „schönheitschirurgischen“ Eingriff ist massiv zu hinterfragen, denn niemand ist schließlich vor gesellschaftlichen Vorgaben und deren Bildern gefeit.
Menschen sind verschieden. Diese natürliche Unterschiedlichkeit wird zur Krankheit umdefiniert, wenn nur noch bestimmte Maße und Formen als „schön“ gelten dürfen. Abweichungen von derartigen Normen, die als „Krankheit“ definiert werden, widersprechen ebenfalls dem Gedanken an Vielfalt und Individualität.
Selbstverständlich kann ein plastisch-chirurgischer Eingriff, in bestimmten, genau definierten Fällen, zu einer Steigerung des persönlichen Wohlgefühls beitragen. Eine gesamtgesellschaftliche Definition von „Schönheit“, die einer Deindividualisierung und Vereinheitlichung das Wort redet, ist dagegen abzulehnen.
„Schönheit steht nicht im Gesicht geschrieben. Schönheit ist ein Licht im Herzen.“ Dieses Zitat von Khalil Gibran, einem libanesisch-amerikanischen Maler und Philosophen mag in unserer bilderfixierten Gesellschaft altmodisch wirken – Fakt ist: Schönheit ist eine ganz individuelle Gegebenheit – die nicht von anderen vorgegeben, sondern bei sich selbst gesucht werden sollte.
1Auskunft des Bekleidungsphysiologischen Institut Hohenstein e.V. Bei der „DOP Reihenmessung“ im Jahre 1994 hatten 0,06% der vermessenen Frauen die Körpermaße 90-60-90. www.hohenstein.de
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