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Sport macht Spaß? Das ist Vergangenheit!

Alarmierende Erkenntnisse bringen die Ergebnisse einer Umfrage zur Motivation für sportliche Betätigung.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Regelmäßige Bewegung macht Spaß, hält fit und birgt auch einen wichtigen kommunikativen Faktor – etwa wenn gemeinsam gelaufen wird. Die Jugendstudie „Timescout“ zeigt allerdings, dass immer mehr junge Menschen, vor allem junge Frauen, sportliche Betätigung einzig und allein als Mittel zum Zweck sehen. Und dieser Zweck dient nur einem Mittel: Den perfekten Körper zu erreichen.


Laufen_klein40 Prozent der 11 bis 29jährigen ÖsterreicherInnen treiben regelmäßig Sport. Besonders fitnessaffin sind dabei die 20 bis 29jährigen und die Frauen und Mädchen. 45 Prozent dieser Gruppe gehen regelmäßig ins Fitnesscenter, und über 40 Prozent gehen regelmäßig laufen. Die Mädchen und Frauen überrunden die jungen Männer und Burschen dabei deutlich.

Ästhetik statt Freude
Ein weiterer Aspekt der Studie: Trendsportarten wie Beachvolleyball oder Snowboarden treten deutlich hinter Fitnessaktivitäten zurück. Wie die StudienautorInnen schreiben ist „der menschliche Körper zu einem Schlüsselobjekt der Imagebildung geworden.“ Das führt zu einem Boom jener Sportarten, die den Körper gemäß den medial vermittelten Körperbildern zu modifizieren vermögen. Und weiter heißt es in der Studio der tfactory: „In den Jugendkulturen scheint sich eine Sportpraxis herauszubilden, die sich nicht mehr primär an den Werten Spaß, Lustgewinn und einem sozial-kommunikativ befriedigenden Gruppenerlebnis ausrichtet, sondern das materielle Ziel der Körpermanipulation in den Mittelpunkt stellt.“

Ungesunde Körperideale
Alarmiert von den Ergebnissen der Timescout-Studie zeigt sich Wiens Frauengesundheitsbeauftragte Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger: „Die Fixierung der Gesellschaft auf ein bestimmtes Körperbild führt dazu, dass 80 bis 90 Prozent der jungen Mädchen und Frauen mit ihrem Körper unzufrieden sind.“ Der Körper muss geformt und umgemodelt werden, damit er dem, auch medial, stark transportierten Körperbild entspricht: „Das führt nicht nur zu ungesunden Abnehmversuchen, wie Diäten, Erbrechen und einer exzessiven Einnahme von Abführmitteln, sondern auch zu exzessivem Sport.“ Und weiter sagt Wimmer-Puchinger: „Kritisch wird es dann, wenn Fitness und Bewegung nicht mehr der Gesundheit und der Lust an der Bewegung dienen sondern nur mehr der Ästhetik!“

Ungesunde Role-Models
Dieser Trend ist nicht neu, zeigt sich in den vergangenen Jahren allerdings immer deutlicher: Das begann mit den Aerobic-Videos der amerikanischen Schauspielerin Jane Fonda, die jahrelang unter der Essstörung Bulimie litt und zieht sich über anorektische Models, wie die verstorbene Ana Maria Reston bis hin zu Ex-Sporty-Spice-Girl Mel C, die ebenfalls jahrelang an Essstörungen litt. Diese Frauen fungieren als Role-Model – und hier kann von einer sportlichen Betätigung „aus Spaß“ nicht mehr die Rede sein. Im Mittelpunkt der Bemühungen steht hier immer und ausschließlich ein schöner, perfekt geformter Körper, die mit allen – auch ungesunden Mitteln – zu erreichen sein soll.

Sport ist gesund
Sport ist gesund, das steht außer Frage. Allerdings sollten Aspekte wie Lust an der Bewegung, Spaß und Gesundheit im Vordergrund stehen. Dafür steht auch das Wiener Programm für Frauengesundheit: „Das ist auch der Grund, warum wir den DM-Frauenlauf unterstützen“, so Michaela Langer, die stellvertretende Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit: „Denn hier steht die Freude an der Bewegung, die Motivation der Frauen, gemeinsam zu laufen und so regelmäßig etwas für ihre Gesundheit zu tun, im Vordergrund.“

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