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Rosenblätter gegen weibliche Genitalverstümmelung

Europaweite Kampagne setzt sich für Abschaffung von FGM ein

Dienstag, 07. Dezember 2010

Female Genitale Mutilation (Weibliche Genitalverstümmelung - FGM) betrifft in Europa rund 500.000 Frauen. Täglich werden 8.000 junge Mädchen dieser Frauen verachtenden Prozedur unterzogen. "End FGM" - eine Kampagne von Amnesty International Irland in Kooperation mit zwölf Partnerorganisationen - setzt sich seit mehreren Jahren für die Beendigung von FGM ein - eine neue Kampagne soll das Bewusstsein für FGM stärken.


FGMZwischen 100 und 150 Millionen Frauen weltweit sind von Genitalverstümmelung betroffen. Etwa drei Millionen Mädchen werden jedes Jahr „beschnitten“, wie die Zerstörung des weiblichen Genitales beschönigend genannt wird. Praktiziert wird der Eingriff hauptsächlich in Afrika, einigen Ländern im Mittleren Osten und einigen Teilen Asiens und Lateinamerikas. Aber auch die Europäische Union darf nicht wegsehen: Das Europäische Parlament schätzt die Zahl jener Mädchen und Frauen, deren Genitale verstümmelt wurde, und die innerhalb der Europäischen Union leben, auf rund 500.000. Etwa 180.000 Mädchen laufen jedes Jahr Gefahr, „beschnitten“ zu werden.

 

Zart wie Rosenblätter


Um diese Praxis, die lebenslange und bisweilen lebensbedrohende Folgen für die betroffenen Mädchen und Frauen hat, endlich abzuschaffen, hat Amnesty International Irland Anfang 2010 eine europaweite Kampagne gestartet: Unter dem Titel „End FGM!“ – also beendet die genitale Verstümmelung von Frauen – arbeiten Amnesty International Irland und zwölf Partnerorganisationen innerhalb der EU an der Abschaffung von FGM. Soeben wurde eine Kampagne gestartet, die dieses Vorgehen unterstützen soll. Auch das Wiener Programm für Frauengesundheit ist einer der Partnerinnen der Kampagne.

Wien ist Vorreiter


„Wir setzen uns seit Jahren massiv gegen FGM ein“, sagt die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte, Univ.-Profin. Drin. Beate Wimmer-Puchinger. So wurden mittlerweile sämtliche geburtshilfliche Abteilungen in Wien geschult, um Primärprävention betreiben zu können. Frauen werden während der Schwangerschaft und im Wochenbett über FGM aufgeklärt. Ein weiteres Projekt war die Schulung von Kindergärtnerinnen aller Wiener Kindergärten zum Thema FGM. Geplant sind diese Schulungen zukünftig auch für LehrerInnen an allen Wiener Volksschulen.

Eine eigene Beratungseinrichtung wurde ebenfalls eingerichtet. Im Kaiser Franz Joseph Spital in Wien wurde „FEM – Gesundheitseinrichtung für afrikanische und arabische Frauen gegründet. „Mit dieser niederschwelligen Beratungsstelle wird ebenfalls Aufklärungsarbeit geleistet“, so Wimmer-Puchinger. Nicht zuletzt wurde ein Folder in sämtlichen afrikanischen und arabischen Sprachen erstellt, der ebenfalls über FGM aufklärt. „Wien kann hier mit Fug und Recht als Vorzeigestadt bezeichnet werden“, zeigt sich Wiens Frauengesundheitsbeauftragte stolz.

Unter dem Titel „Sign a rose pedal“ (Unterzeichnen Sie ein Rosenblatt) werden weltweit Unterschriften für die Beendigung der weiblichen Genitalverstümmelung gesammelt. Eine Website unterstützt diese Kampagne – auch online können Stimmen für die Abschaffung der FGM abgegeben werden.

8.000 Unterschriften


Der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, hat sich dezidiert hinter diese Kampagne gestellt: „Frauen sind die Blumen unseres Lebens“, formuliert Buzek in einem Statement poetisch: „Ich unterstütze die Kampagne zur Beendigung der weiblichen Genitalverstümmelung auf der ganzen Welt.“

Insgesamt sollen mindestens 8.000 Rosenblätter-Unterschriften gesammelt werden – denn etwa 8.000 Mädchen werden jeden Tag verstümmelt – mit katastrophalen Folgen für ihr weiteres Leben: Je nach „Beschneidungsform“ wird die Klitoris und die Klitorisvorhaut entfernt, die Schamlippen abgeschnitten und/oder die Vaginalöffnung stark verkleinert. Abgesehen von der Zerstörung der sexuellen Empfindung hat dies erhebliche gesundheitliche Auswirkungen für die betroffenen Frauen: Das Spektrum reicht von häufig wiederkehrenden Infektionen der Genitalien und der Harnwege über Einrisse und Blutungen beim Geschlechtsverkehr bis hin zur Lebensgefahr während einer Geburt.

„End FGM“ sammelt weltweit Daten, um die Situation der betroffenen Mädchen und Frauen zu erfassen. Die EU ist aufgefordert, Praktiken und Maßnahmen zu erheben, die Asylwerberinnen die von FGM betroffen sind, einen verbesserten Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem gewähren. Weitere Informationen über „End FGM“ und die „Rosenblätter-Kampagne“ finden Sie unter: http://www.endfgm.eu/en/.

Mehr Informationen zu FGM finden Sie hier: http://www.frauengesundheit-wien.at/frauengesundheit/FGM.html

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