Shortcuts: S:Startseite

Inhalt Navigation Pfadangabe Metanavigation Fußzeile  
Stadt Wien

Schriftgröße

Schrift verkleinern Schrift auf Standardgröße setzen Schrift vergrößern

Kontraste

Kontrast auf Standardwert stellen Kontrast auf Weiß/Schwarz umstellen Kontrast auf Blau/Weiß umstellen Kontrast auf Weiß/Blau umstellen Kontrast auf Gelb/Schwarz umstellen Kontrast auf Schwarz/Gelb umstellen

| Erweiterte Suche
Frauengesundheit-Wien Startseite
Frauengesundheit-Wien Banner

Metanavigation

Breadcrumb

Navigationsmenü

Inhalt

FGM - Weibliche Genitalverstümmelung

Geschichte und Ursprünge der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM – Female Genital Mutilation)

 

Die Ursprünge dieser Tradition sind nicht klar festzulegen, sehr wahrscheinlich begann sie aber vor mehreren tausend Jahren. Herodot berichtete von der Beschneidung einer Frau in Ägypten ca. 500 vor Christus. Außerdem gibt es Nachweise, dass auch schon die frühgeschichtlichen römischen und arabischen Kulturen sich dieser Methode bedienten. Irgendwann im Laufe der Geschichte wurden die Beschneidungspraktiken mit der fast schon zwanghaften Verehrung der Jungfräulichkeit und Keuschheit, die man auch heute noch in vielen afrikanischen und arabischen Kulturen vorfindet, in Verbindung gebracht. Eine andere geschichtliche Begründung ist der Glaube der Ägyptischen Pharaonen, dass ihre Götter bisexuell gewesen seien. Daraus folgte für sie, dass in jedem menschlichen Wesen eine männliche und weibliche Seele existieren müsste. Die weibliche Seele des Mannes wurde in der Vorhaut vermutet und die männliche Seele der Frau in der Klitoris. Das bedeutete, dass junge Männer, um vollständig in die männliche Gemeinschaft aufgenommen zu werden, die Entfernung ihrer Vorhaut über sich ergehen lassen mussten.

Mädchen auf der anderen Seite, mussten sich die Klitoris und oft auch Teile ihrer Schamlippen beschneiden lassen, um in die weibliche Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Die Verstümmelungen beschränkten und beschränken sich aber keineswegs ausschließlich auf Afrika. Die Beschneidung der Klitoris war gerade im englischsprachigen Europa des 19. Jahrhunderts sehr weit verbreitet. Nach der damaligen Ansicht war die Masturbation einer der Hauptgründe für viele geistige Krankheiten von Frauen. Mit Hilfe der Beschneidung wollte man der Masturbation entgegenwirken und so die Geisteskrankheiten bekämpfen. Genauso versuchte man weibliche Homosexualität, Hyper-Sexualität und Hysterien mit klitoralen Beschneidungen zu „heilen“.

 

Warum existiert FGM heute noch?

 

Wir leben nun im 21. Jahrhundert und konnten, speziell innerhalb der letzten 200 Jahre, nie da gewesene Fortschritte in der Technik und in der Wissenschaft erreichen. Trotzdem ist das Phänomen FGM noch immer verbreitet. Für gewöhnlich wird diese Frage mit „Tradition“ beantwortet.

Diese Tradition lässt sich bei näherer Betrachtung in gewisse Teilbereiche einteilen:

  •  Psychosexuelle Faktoren
In manchen Gesellschaften wird die Klitoris noch als aggressives Organ gesehen, das das männliche Geschlechtsorgan aber auch das Kind bei der Geburt gefährdet. Außerdem herrscht in einigen Gesellschaften die Meinung vor, dass Frauen zu einer sexuellen Zügellosigkeit neigen, die mit einer Beschneidung eingedämmt werden kann und der Frau hilft keusch zu bleiben. Dies muss in Zusammenhang mit den Gesellschaften gesehen werden, in welchen Jungfräulichkeit eine Bedingung für die Heirat darstellt. 
  • Soziologische Faktoren
FGM wird oft als Initiationsritus für junge Frauen gesehen, mit dem sie den Prozess des Erwachsenwerdens abschließen. 
  • Hygiene und Ästhetik
In einigen Gesellschaften wird die Klitoris als unschön betrachtet und eine Frau gilt nur dann als reif, wenn sie sich ihre „grauenhaften Genitalien“ entfernen lässt. In einigen Gesellschaften gibt es auch die Meinung, dass die Beschneidung gut für die Gesundheit, geistig wie auch körperlich, sei. Nun sollte man annehmen, dass viele der genannten Faktoren bereits verschwunden sind, oder ihnen kaum Glauben geschenkt wird. Tatsächlich ist es aber in vielen traditionellen Gesellschaften so, dass die einzige sichere Zukunft für Frauen die Heirat ist und dass gerade in diesen Gesellschaften unbeschnittene Frauen kaum Chancen haben einen Ehepartner zu finden.
Zusätzlich sind die Beschneiderinnen, die hauptsächlich ältere Frauen sind, ökonomisch von der Praktik der Beschneidung abhängig. Ältere Frauen erweisen sich generell als eine starke konservative Kraft, wenn es um die Bekämpfung der Genitalverstümmelung geht. Dies ist vor allem darin zu begründen, dass sie sich selbst dieser Prozedur unterziehen mussten und sie deshalb mit viel Eifer aufrechterhalten möchten.
Das Fehlen ausreichender Daten, die Aussagen über die körperlichen Schäden und seelischen Belastungen der Opfer untermauern, macht eine Überzeugung der Menschen betreffend der Schädlichkeit von FGM sehr schwierig. Die Sammlung der Daten wird auf der anderen Seite wieder dadurch erschwert, dass gerade Sexualität und der Genitalbereich in diesen traditionellen Gesellschaften ein großes Tabu-Thema sind. Aufklärungsversuche durch Personen oder Organisationen der industrialisierten Welt werden, oft auch wegen der früheren kolonialen Praxis ihrer Herrschaftsländer, abgelehnt.

Ausmaß und Verbreitung von FGM

 

Weibliche Genitalverstümmelung gehört weltweit leider noch immer nicht der Vergangenheit an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht unter Female Genital Mutilation „alle Verfahren, welche die teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren Genitalien zum Ziel haben, sei es aus kulturellen oder anderen nichttherapeutischen Gründen". 155 Millionen Frauen haben diesen grausamen Eingriff in ihrer Kindheit erleiden müssen und man geht davon aus, dass täglich weitere 7.000 Mädchen – vor allem in afrikanischen Ländern – Opfer dieses „Rituals" werden. Auch in Österreich leben Schätzungen zufolge etwa 8.000 betroffene Frauen. Wie schon weiter oben erwähnt, ist es enorm schwierig, zuverlässige und regelmäßige Daten zum Thema FGM zu erheben. Die Daten für Somalia sind einer nationalen Untersuchung des Ministeriums für Gesundheit, Fortpflanzung und Familienplanung entnommen worden. Diese Studie fand heraus, dass 96 % aller Frauen genitalverstümmelt wurden. Die meisten der weltweit 150 Millionen Opfer von Genitalverstümmelung („Female Genital Mutilation“) leben in West- und Nordostafrika, doch durch Migration mittlerweile auch in asiatischen Ländern sowie in Nordamerika und Europa.


Das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen hat im Jahr 2013 eine Studie zur aktuellen Situation und zu Entwicklungen im Bereich der Weiblichen Genitalverstümmelung in den 27 EU-Mitgliedstaaten und Kroatien (Study to map the current situation and trends of female genital mutilation in 27 EU Member States and Croatia) in Auftrag gegeben.

Formen der weiblichen Genitalverstümmelung

 

Der Begriff FGM („Female Genital Mutilation") bezieht sich auf alle Praktiken, die eine Entfernung oder Veränderung des weiblichen Genitalbereichs vorsehen. Es gibt drei Hauptformen der Genitalverstümmelung: Form I oder Sunna-Beschneidung, Form II oder Excision (Entfernung), Form III oder Infibulation.Die verschiedenen Formen der Beschneidungen, oder besser Verstümmelungen, werden aufsteigend in ihrer Form immer extremer.

  • Form I: Die Sunna-Beschneidung
Unter Sunna wird die Gesamtheit der Überlieferungen und Verhaltensnormen, die auf Mohammed und seine Gefährten zurückgeführt werden, verstanden. Die Form der Beschneidung, die in der mündlichen Überlieferung Mohammeds vorkommt, sieht eine Entfernung der Vorhaut, die die weibliche Klitoris schützt, mit oder ohne einer teilweisen oder gänzlichen Entfernung der Klitoris vor. Oft wird unter der Sunna auch nur die Entfernung der Vorhaut verstanden und unter „Klitoridektomie“ die teilweise oder gänzliche Entfernung der Klitoris. Diese Form der Genitalverstümmelung wird in weiten Teilen Afrikas, hauptsächlich in den Ländern parallel zum Äquator, praktiziert. Vorzufinden ist sie vor allem in Ägypten, Äthiopien, Somalia, Kenia und Tansania (Ostafrika). Auf der westafrikanischen Küste ist diese Form zwischen Sierra Leone und Mauretanien in allen Ländern zu finden.
Außerdem wurde und wird die Sunna auch in Ländern des Mittleren Ostens praktiziert und hier vor allem in Oman, Jemen, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In diesen Ländern zählt sie aber nicht zu den dominanten Formen der Genitalverstümmelung.
  • Form II: Die Excision
Diese Form bezeichnet die teilweise oder gänzliche Entfernung der weiblichen Klitoris im Zusammenhang mit einer teilweisen oder gänzlichen Entfernung der Schamlippen. Etwa 80% aller betroffenen Frauen, werden dieser Prozedur unterzogen. Sie wird meist auch in den Ländern durchgeführt, in welchen die Infibulation, die als nächstes beschrieben wird, verboten wurde.
  • Form III: Die Infibulation oder Pharaonische Beschneidung
Bei dieser Art der Verstümmelung wird die komplette Klitoris, die kleinen Schamlippen sowie die innere Schicht der äußeren Schamlippen entfernt. Die verbleibenden Teile der äußeren Schamlippen werden dann vernäht oder mit Dornen aneinander befestigt. Mit einem kleinen Stück Holz wird dafür gesorgt, dass eine kleine Öffnung für den Urin und das Menstruationsblut in der Vagina verbleibt. Je kleiner diese Öffnung ist, umso höher wird der Brautpreis für die zukünftige Braut sein. Nach dem Eingriff werden dem Mädchen die Beine bis zur Hüfte zusammengebunden, um in diesem Zustand, auf einer Matte liegend, 15 bis 20 Tage auszuharren, bis die Wunde verheilt ist.

 

Andere Formen der Genitalverstümmelung
Introcision ist die Vergrößerung der vaginalen Öffnung in dem diese nach unten gezogen wird. Außerdem gibt es noch Formen der Genitalverstümmelung, in denen die Klitoris oder die Schamlippen durchstochen, gepierct, gedehnt, verbrannt oder aufgekratzt werden bzw. jene Formen, bei der ätzende Substanzen oder Kräuter in die Vagina eingeführt werden.


Refibulation wird bei Frauen die gerade ein Kind geboren haben, verwitwet oder geschieden sind angewandt, um eine jungfräuliche Vagina vorzutäuschen. Die Ränder der Narben werden dabei nochmals ausgeschält und zusammengenäht oder es werden die losen Gewebereste zusammengenäht. Diese Praktik wird zum einen durchgeführt, um den Männern ein größeres sexuelles Vergnügen zu bereiten. Auf der anderen Seite ist die Refibultation allerdings oft auch aus medizinischen Gründen notwendig. Aufgrund des unelastischen Narbengewebes der genitalverstümmelten Frau kann bei der Geburt oft ein Dammschnitt notwendig sein, der auf einer speziellen Technik basiert und dadurch eine Refibulation zur optimalen Wundversorgung notwendig macht.

Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung

 

Körperliche Folgen
Der weibliche Genitalbereich ist extrem sensibel, stark mit Nerven und von zahlreichen Arterien versorgt. Die Verstümmelungen führen daher oft zu extremen Schmerzen und starken Blutungen, die Krampfanfälle und Schock auslösen und sogar bis zum Tod führen können. Bei den Eingriffen sind auch Beschädigungen des Analschließmuskels oder der Harnröhre nicht auszuschließen, besonders da die Beschneiderinnen meist alte Frauen sind, deren Sehvermögen oft schon sehr beeinträchtigt ist.
Durch die meist sehr unhygienischen Bedingungen, die bei den Beschneidungen vorherrschen, kommt es nicht selten zu Infektionen der betroffenen Mädchen und Frauen. Am häufigsten treten Blutvergiftungen auf, aber auch Infektionen mit dem Wundstarrkrampf, der Kinderlähmung, Hepatitis oder HIV sind möglich und enden oft tödlich.
Da speziell das Urinieren nach den Eingriffen große Schmerzen verursacht, schränken viele der Betroffenen ihren Flüssigkeitskonsum enorm ein und versuchen das Wasserlassen zu vermeiden. Früher oder später führt dies dazu, dass die übervolle Blase die Harnröhre abdrückt und so das Urinieren unmöglich macht. Das Legen eines Katheters, das in diesen Fällen unbedingt nötig wäre, ist oft aus medizinischen Gründen nicht machbar, was zu weiteren schweren Komplikationen führt.

Da die klitorale Arterie bei der Beschneidung notwendigerweise durchschnitten werden muss und diese stark durchblutet ist, kommt es fast immer zu sehr starken Blutungen beim Eingriff selbst. Sehr starke Blutungen können aber auch noch eine Woche nach der Operation durch das Ablösen der Kruste über der Arterie auftreten. Sehr oft kommt es bei den operativen Eingriffen zu Verletzungen des angrenzenden Gewebes wie der Harnröhre, der Vagina, dem Damm oder Rektum. Diese Verletzungen führen wiederum oft zu Inkontinenz und stellen damit neben der gesundheitlichen auch eine große gesellschaftliche Belastung dar. Langfristig kann es zu chronischen Infektionen kommen. An den Narben können Narbenwülste (Keloiden) entstehen, die zu einer Verengung der Vagina und damit zu weiteren Erschwernissen beim Urinieren, Geschlechtsverkehr und bei Geburten führt. Die Menstruation wird von fast allen geschlechtsverstümmelten Frauen als schmerzhaft empfunden. Das Blut kann logischerweise nur sehr schwer abfließen und staut sich auf, was die Menstruation verlängert und der Frau Schmerzen bereitet (Dysmenorrhoe).
Durch Verletzungen, die während des Eingriffs oder bei der De- bzw. Refibulation entstanden sind, kann es zur Bildung von Fisteln kommen. Unter einer Fistel wird ein abnormaler Durchlass, der von einer ausgehöhlten Anordnung im Körper zu einer anderen oder an die Oberfläche führt. Dies kann zu einem ständigen, unkontrollierbaren Abfluss von Urin und Fäkalien führen, der die Frauen ein leben Lang plagt und zu ihrem sozialen Ausschluss führen kann. Sehr häufig treten bei genitalverstümmelten Frauen Scheidenentzündungen auf, was nicht nur gesundheitlich sondern auch sozial zu Schwierigkeiten für diese Frauen führt. Die häufigen Entzündungen führen zu regelmäßigen Ausfällen in Schule und Beruf. Über kurz oder lang wird es diesen Frauen verunmöglicht, regelmäßig die Schule zu besuchen oder einer Ausbildung, einem Job nachzugehen.

 

Psychosexuelle, psychologische und soziale Konsequenzen
Neben den körperlichen Konsequenzen, die immer wieder im Mittelpunkt der Diskussion stehen, lassen sich auch eine Reihe von psychischen Konsequenzen im Zusammenhang mit Genitalverstümmelungen nachweisen. So gibt es zum Beispiel Berichte über Panikattacken, die Frauen befallen, wenn sie bestimmte Gegenstände sehen, die sie an die Verstümmelungssituation erinnern. Viele Frauen versuchen auch das Problem nicht nur zu verdrängen, sondern sie spalten es förmlich ab (Dissoziation), was dazu führt, dass sich diese Frauen an gar nichts mehr im Zusammenhang mit der Verstümmelung erinnern können.
Sehr traumatisierend wirkt auf viele Frauen, dass die Übergabe an die Beschneiderinnen meist durch eine sehr vertraute Person, oft die Mutter oder Tante, passiert. Das Gefühl, dass man im Stich gelassen wurde, tritt dadurch sehr häufig zu Tage und resultiert in einem massiven Vertrauensverlust gegenüber der engsten Verwandten.

Konsequenzen für Geschlechtsverkehr, Schwangerschaft und Geburt

 

Vor allem für infibulierte Frauen ist es, gerade durch die großen Schmerzen an der Narbe, beim Wasserlassen und der Menstruation sehr schwierig eine sexuelle Lustempfindung aufzubauen. Generell ist es für genitalverstümmelte Frauen möglich sexuelle Befriedigung zu erlangen, mit der Schwere der Verstümmelung nimmt jedoch auch die Möglichkeit der Befriedigung ab. Die Verstümmelungen bringen aber nicht nur Probleme für die Frauen sondern auch für die Männer – selbstverständlich in weitaus geringerem Maße. Da das Narbengewebe hart und wenig dehnbar ist, wird das Eindringen sehr erschwert.
Manche Männer greifen auch auf Drogen – meist Alkohol – zurück, bevor sie mit ihren Frauen schlafen. Bei einer infibulierten Frau führt eine mechanische Penetration des Mannes oft zu Verletzungen. Ein Aufschneiden der Vaginalöffnung bedeutet aber in der Regel einen Ehrverlust für die Männer, sodass diese Möglichkeit oft nicht in Betracht gezogen wird. Im Endeffekt führt die „Tradition“ der Verstümmelung oft zu sexueller Frustration auf beiden Seiten. Durch die Härte und Unelastizität des Narbengewebes kann sich bei Gebärenden der Geburtskanal oft nicht richtig erweitern. Dies führt zu einer Verzögerung der Geburt, die wiederum zu einem gefährlichen Sauerstoffmangel des Kindes führen kann und möglicherweise zu einer Zerstörung wichtiger Gefäße und Muskeln im Beckenbodenbereich. Bei infibulierten Frauen macht eine Geburt eine Defibulation – also ein Aufschneiden der Narbe – nötig. Oft werden diese Frauen nach der Geburt auf wieder refibuliert und damit erneut traumatisiert. Der verzögerte Geburtsverlauf führt auch manchmal zu einer unverhältnismäßigen Dehnung des Gewebes und der Muskeln, die die Gebärmutter halten. Bei häufigen und kurz aufeinander folgenden Geburten kann es dadurch zu einem Gebärmuttervorfall kommen.

Österreich und Wien aktiv gegen FGM

 

Es wird davon ausgegangen, dass ca. 6.000-8.000 Opfer von FGM in Österreich leben, in Wien weisen ca. 1.900 Frauen, die aus einem Land mit häufigem Vorkommen von FGM stammen, somit ein potenzielles Risiko auf. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass ca. 100 Mädchen bzw. Frauen dieses Schicksal jährlich auch in Österreich sowie im Zuge von Urlaubsreisen in den Herkunftsländern erleiden.

 


Rechtliche Situation in Österreich

In Österreich ist die Verstümmelung der weiblichen Genitalien gesetzlich verboten, sie erfüllt den Tatbestand schwerer Körperverletzung und gilt als grobe Menschenrechtsverletzung. Das Strafrecht (§ 90 Abs. 3 StGB) besagt, dass weder Eltern für ihre Kinder, noch eine volljährige Frau für sich selbst mit strafbefreiender Wirkung in die Genitalverstümmelung einwilligen können bzw. kann. Die Tat ist auch bei Begehung im Ausland in Österreich strafbar, wenn TäterIn und Opfer österreichische StaatsbürgerInnen sind und ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben. Die Verjährungsfrist für eine strafrechtliche Verfolgung beginnt erst ab der Volljährigkeit des Opfers.

 


 

Die Stadt Wien ist sehr aktiv im Bereich der FGM-Prävention und baut auf Information, Bewusstseinsbildung sowie auf Vernetzung von ExpertInnen und Weiterbildung. Seit 2005 hat die Stadt vielfältige, für eine Großstadt vorbildliche Maßnahmen im Kampf gegen FGM entwickelt. Sie reichen von Aufklärung bis hin zur gezielten Behandlung.

Der Strategieplan der Stadt Wien umfasst mehrere Ebenen:

 

1. FGM-Vernetzung

Unter der Schirmherrschaft und Mitarbeit des Wiener Programms für Frauengesundheit wurde ein ExpertInnen-Think Tank gegründet. Dieses regelmäßig tagende ExpertInnengremium umfasst alle maßgeblichen Stellen des Magistrats (MA10, MA 11, MA17, MA 57 und MA 40), die Ärztekammer Wien (Genderreferat) und VertreterInnen der Geburtshilfe sowie von einschlägigen NGOs. Eine wesentliche Rolle in dem Gremium leistet das Frauengesundheitszentrum FEM Süd als kompetente Anlauf- und Beratungsstelle für Frauen.

 

2. FGM-Schulungen

Zum Zweck der Aufklärung und Awareness-Bildung finden regelmäßige Schulungen für das Personal im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich statt. In allen Geburtshilfeabteilungen der öffentlichen Wiener Spitäler wurden Workshops durchgeführt. Aber auch SozialarbeiterInnen, KindergärtnerInnen, SchulärztInnen, JugendbetreuerInnen und Hebammen werden zu dem Thema FGM sensibilisiert. Wien setzt auch auf internationale Zusammenarbeit und das Wiener Programm für Frauengesundheit hat erstmals in Österreich bisher drei Fachkonferenzen mit internationalen ExpertInnen organisiert.


3. Beratung und Informationsarbeit

Seit 2007 bietet FEM Süd im Kaiser Franz Josef-Spital gesundheitsspezifische Beratung für Frauen und Familien aus Ländern an, wo FGM praktiziert wird. FEM Süd führt auch Schulungen für Gesundheitspersonal durch und geht mit gesundheitsspezifischen Vorträgen in die Communities.

 

Das FEM Süd ist im Kaiser Franz Josef Spital, Sozialmedizinisches Zentrum Süd, Kundratstraße 3, 1100 Wien zu finden.
Die Beratungsstelle ist Montag 9-14 Uhr, Dienstag bis Donnerstag 9-17 Uhr und Freitag von 9-12 Uhr geöffnet. Tel. 01/60 191-5201

 

  • Infofilm in 6 Sprachen
Das Wiener Programm für Frauengesundheit, die MA57 und FEM Süd haben einen Kurzfilm produziert, in dem Vertreter von Islam und Christentum sich gegen FGM aussprechen und in dem auf die gesundheitlichen Folgeschäden hingewiesen wird. Der Film ist in Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Nordsomali und Südsomali verfügbar, welcher hier zu sehen ist.


4. Spezialambulanz im Krankenhaus Rudolfstiftung


Seit 2009 finden FGM-betroffene Frauen eine spezialisierte gynäkologische Anlaufstelle in der Wiener Rudolfstiftung, die die österreichweit erste Ambulanz für vaginale Rekonstruktion aufgebaut hat.

 


 

Das Wiener Programm für Frauengesundheit initiiert regelmäßig Fachkonferenzen zur Sensibilisierung des Gesundheitspersonals:

 

  • Konferenz 2007
Ausgehend von der Wiener Studie „FGM- Verbreitung unter Frauen, Fachwissen, und Praxiserfahrung der ÄrztInnen und Hebammen, Notwendigkeiten und Perspektive“ wurde 2007 der erste FGM-Gipfel organisierte. Es wurde diese Thematik ausführlich thematisiert und diskutiert, wobei sich ein großer Bedarf an Weiterbildung und Sensibilisierung erwies. 
  •  Konferenz 2009
Am 29. und 30. Juni 2009 fand im Jugendstilhörsaal der Medizinischen Universität Wien die zweitägige Konferenz „Weibliche Genitalverstümmelung (FGM) – State of the art der Behandlung und Prävention" statt. Das Wiener Programm für Frauengesundheit hat gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien und dem Frauengesundheitszentrum FEM Süd diese Konferenz organisiert, an der über 150 ExpertInnen teilnahmen.
Im Rahmen der Konferenz wurden neue Präventionsansätze vorgestellt, damit Mädchen in Zukunft dieses Schicksal erspart bleibt. Darunter wurde auch der Nationale Aktionsplan gegen FGM präsentiert. Weitere zentrale Themen der Konferenz waren die Betreuung in Gynäkologie und Geburtshilfe, Möglichkeiten der Rekonstruktiven Chirurgie, der Umgang mit FGM als psychischem Trauma. Die Konferenz hatte sich zum Ziel gesetzt, einen Wissensaustausch unter ExpertInnen im Gesundheitswesen zu ermöglichen.
  • Konferenz 2014
Die Schädigung der physischen und psychischen Gesundheit von Frauen und Mädchen durch FGM stand im Mittelpunkt einer Fachtagung „Wiener und internationale Experten/Expertinnen im Kampf gegen die gesundheitlich fatale Praxis weiblicher Genitalverstümmelung“ am 22. Mai 2014, zu der die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte, das FEM Süd und die Medizinische Universität Wien eingeladen hatten.
Die Gynäkologin Marika Huber, die an der Wiener Rudolfstiftung die österreichweit erste Ambulanz für vaginale Rekonstruktion aufgebaut hat und eng mit FEM Süd kooperiert, thematisierte unter anderem die gesundheitlichen Folgen und berichtete aus ihren Arbeitserfahrungen. Im Zuge der Konferenz wurde auch die Sicht betroffenen Frauen miteinbezogen. In einem sehr berührenden Vortrag berichtete die heute in München als Dolmetscherin und Autorin lebende Fadumo Korn über ihre eigene Beschneidung sowie die drauffolgenden gesundheitlichen Beschwerden.
Weitere Informationen zu dieser Konferenz können Sie hier nachlesen.

_____________________________________________________________________________________________________

Quellen:
http://www.stopfgm.net

Bauer,Christina /Hulverscheidt,Marion: Gesundheitliche Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung. Internet: http://www.frauenrechte.de/pdf/FGM-Gesundheit.pdf

Maier, Cristina: Echo des Schweigens. Maria Enzersdorf: Edition Rösner, 2003.
Measure DHS+: Mauritania 2000/01 Final Report (French). Internet: http://www.measuredhs.com/pubs/pdftoc.cfm?ID=345&PgName=country.cfm0ctry_id=68
Sarkis,Marianne: Female Genital Cutting (FGC): An Introduction. Internet: http://www.fgmnetwork.org/intro/fgmintro.html
World Health Organization: Female Genital Mutilation: Information Pack. Internet: http://www.who.int/docstore/frh-whd/FGM/infopack/English/fgm_infopack.htm

Wiener Frauengesundheitsbericht (2006)

Diese Seite  Drucken drucken  Weiterempfehlen weiterempfehlen  Bewerten bewerten