Shortcuts: S:Startseite

Inhalt Navigation Pfadangabe Metanavigation Fußzeile  
Stadt Wien

Schriftgröße

Schrift verkleinern Schrift auf Standardgröße setzen Schrift vergrößern

Kontraste

Kontrast auf Standardwert stellen Kontrast auf Weiß/Schwarz umstellen Kontrast auf Blau/Weiß umstellen Kontrast auf Weiß/Blau umstellen Kontrast auf Gelb/Schwarz umstellen Kontrast auf Schwarz/Gelb umstellen

| Erweiterte Suche
Frauengesundheit-Wien Startseite
Frauengesundheit-Wien Banner

Metanavigation

Breadcrumb

Navigationsmenü

Inhalt

Migrantinnen

Überblick

Wien ist mit seinen vielen verschiedenen Nationalitäten eine multikulturelle, multiethnische und multireligiöse Stadt. Aktuell leben 602.881 Menschen derzeit in Wien ohne österr. Staatsbürgerschaft (ca. 35% der Wiener Bevölkerung), davon sind 311.556 Frauen, was einem Anteil von ca. 52% entspricht. Rund 18% der Frauen in Österreich haben einen Migrationshintergrund. Sprachbarrieren und unzureichende Kenntnisse über die Funktionsweise des österreichischen Gesundheitssystems erschweren vielen Migrantinnen und Migranten den Zugang zu Leistungsangeboten.

 

Quelle:

http://www.wien.gv.at/statistik/bevoelkerung/tabellen/bevoelkerung-migh-geschl-zr.html

Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitsverhalten von Migrantinnen

Verschiedene Untersuchungen im Bereich Migration und Gesundheit belegen für Migrantinnen im Vergleich zu einheimischen Frauen sowohl ungünstigere Schwangerschaftsverläufe bzw. Perinataldaten als auch eine schlechtere Versorgung im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Der Zugang zu präventiven und gesundheitsfördernden Angeboten im Gesundheitsbereich ist für die Migrationsbevölkerung aufgrund mehrerer Faktoren erschwert. Zwei der Hauptfaktoren sind die Informationsdefizite der Migrantinnen und eine unzureichende migrationsspezifische Sensibilisierung der Fachleute im Gesundheitssystem. So verstehen etwa PatientInnen mit Migrationshintergrund nur ca. 40% der Inhalte bei einer ärztlichen Visite (Abayev 2009).

Auch werden Studien zu Folge Früherkennungsuntersuchungen von Migrantinnen seltener in Anspruch genommen. Ein weiterer Risikofaktor für die Gesundheit, dem MigrantInnen besonders ausgesetzt sind, ist das Rauchen. Personen mit Migrationshintergrund rauchen häufiger als Personen ohne Migrationshintergrund, wobei besonders hervorzuheben ist, dass Personen mit Migrationshintergrund sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz deutlich häufiger Belastungen durch Tabakrauch unterliegen als Personen ohne Migrationshintergrund.

Auch chronische Erkankungen treten bei Frauen mit Migrationshintergrund vermehrt auf. Verglichen mit Frauen ohne Migrationshintergrund ist die Wahrscheinlichkeit einer chronischen Erkrakung bei Migrantinnen um einen Faktor von 2,6 erhöht. Auch bei chronischen Angstzuständen und Depressionen zeigt sich eine um mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für Frauen mit Migrationshintergrund, daran zu erkranken. Der größte Unterschied besteht in Bezug auf Diabeteserkrankungen: Migrantinnen haben ein 3,4-fach höheres Risiko an Diabetis zu leiden.

 

Quellen:

Gesundheitsbericht Wien 2010

http://www.integrationsfonds.at/zahlen_und_fakten/femigration_integration_2012/

Abayev, S. et al. (2009): Die ärztliche Visite: Wie viel versteht ein Patient davon? Der Stellenwert von Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund. J Kardiol.;16(5-6): 171, Wien.

Zur psychosozialen Betreuung von MigrantInnen

Die muttersprachliche Begleitung und Unterstützung von MigrantInnen im Gesundheitsbereich allgemein sowie deren psychosoziale Versorgung sind lückenhaft. Aufgrund von sprachlichen Barrieren durch fehlende muttersprachliche Angebote besteht unter den MigrantInnen ein Informationsdefizit über vorhandene psychosoziale Leistungsangebote, was zu einer geringeren Inanspruchnahme dieser Angebote führt.
Die Sorge um in der Heimat zurückgebliebene Familienangehörige, Identifikationsprobleme sowie der Integrationsdruck sind mitunter Faktoren, die zu psychosozialem Stress bei MigrantInnen führen können.

Weibliche Migrantinnen haben noch schlechtere Lebensbedingungen als männliche Einwanderer. Migrantinnen leiden unter negativen Stereotypen, etwa als Opfer, Exotin, „rückständige” Frau oder islamistische Fundamentalistin (vgl. Österr. Migrations- und Integrationsbericht 2003). Migrantinnen und Migranten beurteilen auch ihre Lebensqualität bezüglich Vitalität und psychischem Wohlbefinden etwas schlechter als Inländer (vgl. Statistik Austria, Gesundheitsbefragung 2006/07).

 

Migrantinnen haben ein erhöhtes psychisches und körperliches Gesundheitsrisiko aufgrund Dreifachbelastung:

  • Rechtliche und soziale Diskriminierung als Minoritätsangehörige
  • Berufliche Benachteiligung: aufgrund mangelnder Berufsausbildung sind sie auf unattraktive und unsichere Arbeitsplätze angewiesen
  • Geschlechtsspezifische Ungleichheiten in Familie und Beruf

Barrieren im Zugang zu Gesundheitswissen und -system:

  • Soziale Schichtzugehörigkeit beeinflusst Gesundheitswissen und -kompetenz (niedriger Bildungslevel, Analphabetismus etc.)
  • Anderer, kulturell beeinflusster Wortschatz über und Umgang mit Gesundheit, Körper, Befindlichkeit und Sexualität
  • Muttersprachliche Informationsmaterialien sind noch nicht Standard
  • Mangel an Dolmetschdiensten im Gesundheitsbereich 

Spezielle Bedürfnisse von Frauen mit Migrationshintergrund:

  • Stärkere Thematisierung der Einstellung zu Migrantinnen in Krankenhäusern und bei medizinischen Fachgesellschaften; Prioritäten sind im Bereich der psychosozialen und reproduktiven Gesundheit zu setzen und ebenso in den Bereichen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas.
  • Intensivere Unterstützung für von Gewalt betroffene Migrantinnen und Asylantinnen.
  • Bedarfsanalyse im Bereich der Basis-Gesundheitsberichterstattung und gesundheitswissenschaftlichen Forschung (Österr. Frauengesundheitsbericht, 2005).

Die Rahmengesundheitsziele Österreichs stützen die Gesundheitsförderung von MigrantInnen:

  1. Gesundheitsfördernde Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle Bevölkerungsgruppen durch Kooperation aller Politik- und Gesellschaftsbereiche schaffen
  2. Für gesundheitliche Chancengerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und sozioökonomischen Gruppen, unabhängig von Herkunft und Alter sorgen
  3. Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken
  4. Natürliche Lebensgrundlagen wie Luft, Wasser, und Boden sowie alle unsere Lebensräume auch für künftige Generationen nachhaltig gestalten und sichern
  5. Durch sozialen Zusammenhalt die Gesundheit stärken
  6. Gesundes Aufwachsen für Kinder und Jugendliche bestmöglich gestalten und unterstützen
  7. Gesunde Ernährung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln für alle zugänglich machen
  8. Gesunde und sichere Bewegung im Alltag durch entsprechende Gestaltung der Lebenswelten fördern
  9. Psychosoziale Gesundheit in allen Bevölkerungsgruppen fördern
  10. Qualitativ hochstehende und effiziente Gesundheitsversorgung für alle nachhaltig sicherstellen

Grundlegend für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von MigrantInnen ist

  • Anerkennung ihrer Ressourcen
  • Explizites Einbeziehen ihrer Migrationserfahrung
  • Sensibilisierung der in der Gesundheitsversorgung tätigen Personen für die Bedürfnisse von Migrantinnen
  • Förderung ihrer Partizipation in der Konzepterstellung und Implementierung von gesundheitlichen Einrichtungen und ihre Repräsentation in allen Gesundheitsberufen

Was macht das Wiener Programm für Frauengesundheit für Migrantinnen in Wien?

  • Initiierung des Frauengesundheitszentrums FEM Süd mit Schwerpunkt für Migrantinnen
  • Türkischsprachiges Service bei der Vorsorgeuntersuchung der Stadt Wien
  • Brustkrebsfrüherkennungsprogramm in Türkisch, Serbisch, Kroatisch
  • Muttersprachliche Inforeihe zum Thema Brustkrebs
  • Muttersprachliche Vorträge und Infoangebote bei den Frauengesundheitstagen
  • Beratungsstelle für FGM
  • Handbuch für nicht-deutschsprachige PatientInnen: „Gesundsein in Wien”
  • Schulungen für Spitalspersonal
  • Muttersprachliche Infofolder und -veranstaltungen zu:
    • Brustkrebs
    • Hepatitis B
    • Kontrazeption
    • Wechseljahre
    • Herz-Kreislauf
    • Gesundheitsvorsorge und Arztbesuch
  • Co-Finanzierung eines Ernährungs- und Bewegungsprojekts für Migrantinnen

 

Wir danken für die fachkundige Durchsicht Frau Mag. Hilde Wolf (Leiterin F.E.M. Süd Frauengesundheitszentrum im KFJ).

 

Details
  • Ausführliche Informationen zu diesen Themen bietet der Jahresarbeitsbericht des Wiener Programms für Frauengesundheit 2012, den Sie hier als pdf-File downloaden können.
  • Sämtliche Inhalte dieser Webseite finden Sie hier als pdf-Dokument zum Download.

Information, Rat und Hilfe

Gesundheit:

 

Ansätze eines frauenspezifischen Zugangs zu Frauengesundheit auf internationaler Ebene

Auch international gelten als Hauptproblem die sprachlichen Barrieren, daher sollte verstärkt eine mehrsprachige Gesundheitsaufklärung stattfinden.
Eine wichtige Rolle spielt die Überwindung von Diskriminierung und Unkenntnis der kulturellen Backgrounds von Seiten des Krankenhauspersonals gegenüber MigrantInnen. Daher gelten international die Empfehlungen einer kultursensiblen oder diversity-sensiblen Aus- und Fortbildung in Deutschland. 
Vorhandene Angebote umfassen vor allem die Beratung, Behandlung und Betreuung mit Dolmetscherinnen bei Fragen im Zusammenhang mit Familienplanung, Verhütung, Schwangerschaft, Geburt und sexueller Gewalt.
Aber auch Früherkennungsmaßnahmen für Brustkrebs und Gebärmutterkrebs müssen für Migrantinnen zugänglich gemacht werden.

Ausgewählte Beispiele

Ein übergeordnetes Ziel des Projektes „Gesundheitsförderung für MigrantInnen” der pro familia Bonn ist es, MigrantInnen über Angebote im psychosozialen Bereich und über konkrete Inhalte aus dem Themenfeld der sexuellen Gesundheit zu informieren, damit sie auf Basis dieses Wissens selbstbestimmte Entscheidungen treffen können.
Die schweizerische Koordinationsstelle für reproduktive Gesundheit bei Migrantinnen bietet Angebote rund um Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft, die in der jeweiligen Muttersprache durchgeführt werden.

 

Amerikanische Initiativen zur Gesundheitsversorgung von Migrantinnen umfassen vor allem Informationsmaterialien, Fortbildung für Gesundheitsexperten und Zugang zu Krankenversicherung.
Kanada legt seinen Schwerpunkt besonders auf Brustkrebsfrüherkennungsaktivitäten für chinesisch-, indo-kanadisch-, koreanisch- und arabischsprachige Gemeinschaften und auf eine Gesundheitsklinik auf Rädern, die in Gemeinden fährt, wo MigrantInnen leben und arbeiten, um ihnen Gesundheitsaufklärung und klinische Leistungen zugänglich zu machen.
 

 

Deutschland:

 

Schweiz:

 

England:

 

USA: 

 

Kanada:

 

Australien:

 

Neuseeland:

Diese Seite  Drucken drucken  Weiterempfehlen weiterempfehlen  Bewerten bewerten