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Konferenz der Kampf ums Gewicht
"Der Kampf ums Gewicht"
Körper und Gewicht im Spannungsfeld von
Wirtschaftsinteressen, Gesellschaftsnormen, Public Health und Lebensstil
28. September 2010
im Wiener Rathaus statt.
9:00 bis 18:30 Uhr
Nähere Informationen zu den Vorträgen entnehmen Sie dem Programm
Program English Version
Veranstalter 
Kooperationspartner

Der „Kampf um das Gewicht“ ist längst kein individuelles, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ernährung ist von einem natürlichen Teil des Lebens zu einem diffizilen Faktor mit einer Unzahl von künstlichen Aspekten und Einflussfaktoren geworden.
80-90% der Frauen und Mädchen sind mit ihrem Körper unzufrieden – das ist die gesundheitsgefährdende Regel. Die Zahl bei Männern und Burschen steigt.
Wirtschaft und Industrie profitieren von der hohen Körperunzufriedenheit. Lebensmittel-, Diät- und Pharmaindustrie steigern mit laufend neuen Angeboten und Produkten gegen die Gewichtssorgen ihre Gewinne und halten die Körperfokussierung gleichzeitig aufrecht. Kosmetik- und Schönheitsindustrie heben durch Schönheitskult und „Problemzonen“ ihre Umsätze und die Modeindustrie erhebt das Minimalgewicht zum Kult und betreibt die Diktatur der Idealmaße 90-60-90, obwohl nur 6 von 10.000 Frauen diese Körperform haben.
Medien schrauben die ästhetischen Standards durch retuschierte (Werbe)Fotos von Hochglanz-Models und schönheitsoperierten SchauspielerInnen in die Höhe. Mediales Mobbing von Prominenten, die den uniformen Körpernormen nicht entsprechen, ist in Societymagazinen ein beliebter Sport, nur um zwei Seiten weiter die Botschaft des „Nimm-dich-an-wie-du-bist“ zu verkünden. Abhängigkeiten durch Inserate von Großkonzernen verschärfen diese widersprüchliche Wort-Bild-Sprache.
GesundheitsexpertInnen und Gesundheitssystem bewegen sich mit ihren gegenlenkenden gesundheitsförderlichen Informationen und Angeboten auf einem schmalen Grad: massives Übergewicht führt zu erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiken und damit auch erhöhten Gesundheitsausgaben. Dies erfordert Handeln. Andererseits führen Ernährungs- und Gewichtsempfehlungen bei allen Bevölkerungs- und Körpergewichtsgruppen zu einer übermäßigen Beschäftigung mit dem Gewicht und mitunter zu einem verkrampften und gesundheitsschädigenden Verhältnis zum eigenen Körper. Somit steigt auch die Zahl derer, die sich für ein vermeintlich gesundes Gewicht krank und mager hungern.
Über allem schwebt die Idee von sozialem Aufstieg durch Körperformung und Anpassung an ein vermeintliches Körperideal. Zurück bleiben verunsicherte Frauen und Männer, Mädchen und Burschen.
Die Konferenz greift diese gesellschafts- und gesundheitpolitisch hochbrisanten Themen auf und widmet sich Fragen wie:
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Wie schafft Public Health den Spagat zwischen der erfolgreichen Förderung eines positiven Gesundheitsverhaltens bei gleichzeitiger Vermeidung der Erzeugung von Körperunzufriedenheit?
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Welche gesellschaftlich-ökonomischen Veränderungen der letzen 120 Jahre wirken auf unser Ernährungsverhalten und unsere Esskultur?
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Welche wirtschaftlichen Interessen stehen hinter Körpergewicht und der Unzufriedenheit damit?
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Sind Dicke krank oder werden sie krank geredet und gemacht durch Spott und Stigmatisierung, die zu ungesunden Abnehmversuchen führen? Und wer profitiert davon?
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Welche Auswege bieten sich an?
Vorträge
Das Leiden am „unperfekten" Körper und seine Folgen
„Ich bin zu dick und muss abnehmen!" oder „Gib acht, dass du nicht zunimmst!": Wie oft sagen wir selbst diese Sätze und meinen es eigentlich nur gut mit uns und den anderen. Doch ist das wirklich so? Solche Sätze führen zu einem negativen Bild unseres Körpers, 80-90% der Frauen und Mädchen sind mit ihrem Körper unzufrieden. Damit in engem Zusammenhang stehen Beeinträchtigungen und Erkrankungen, wie eine Zunahme von Selbstwertstörungen bereits im Kindesalter, häufi ge Diätversuche, gestörtes Essverhalten bis hin zu Essstörungen, sexuellen Funktionsstörungen und Depressionen.
Do, 27.01.2011, 18.00-19.30, Volkshochschule Simmering, 1110, Gottschalkgasse 10
Eintritt frei
Wer hat Angst vor Heidi Klum? Schlank und krank durch Medienschönheiten
Mag.a Michaela Langer, Wiener Programm für Frauengesundheit
Die Diktatur der Idealmaße 90-60-90 wird über die Medien massiv verbreitet. Obwohl fast keine Frau diese Körperform hat, erscheint diese Körperform durch die Bilder in Fernsehen, Zeitschriften und auf Plakaten als normal. Angesichts dieser einseitigen Bilderflut erscheint vielen Frauen und Mädchen ihr Körper als minderwertig. Kritische Auseinandersetzung mit krankmachenden Bildern und Aufklärung über die Manipulation unseres Blicks durch die Medien ist wichtig für junge Mädchen und Frauen und hilft ihnen zu mehr Selbstbewusstsein.
Do, 24.02.2011, 18.00-19.30, Volkshochschule Simmering, 1110, Gottschalkgasse 10
Eintritt frei
Der manipulierte Appetit
Univ.-Prof. Dr. Maximilian Ledochowski, Univ. Kliniken Innsbruck, Abteilung Ernährungsmedizin
Von Natur aus ist der Mensch mit einem ausgeklügelten Hunger- bzw. Sättigungssystem ausgestattet. Dies sichert die ausreichende Ernährung, die Anlage von Vorräten für Notzeiten, aber auch den Schutz vor zu hohen Fettreserven. Solange die Nahrungsmittel nicht industriell hergestellt wurden, hat dieses Hunger-/Sättigungssystem ausgezeichnet funktioniert. Mit zunehmender Industrialisierung der Lebensmittelherstellung versuchen nun die Produzenten, unsere natürlichen Regulationsmechanismen auszuschalten, um ihre Produkte besser zu verkaufen. Sie verändern die Farbe von Lebensmitteln, sie täuschen den Geschmacksinn und setzen Aromen ein.
Do, 10.03.2011, 18.00-19.30, Volkshochschule Simmering, 1110, Gottschalkgasse 10
Eintritt frei
Übergewichtige Menschen: Höheres Krankheitsrisiko oder krank geredet?
Dr. Thomas Dorner, MPH, Medizinische Universität Wien, Zentrum für Public Health, Institut für Sozialmedizin
Die wissenschaftliche Beweislage ist eindeutig, dass Übergewicht und ein hoher Taillenumfang in der Allgemeinbevölkerung das Krankheitsrisiko und das Sterblichkeitsrisiko aufgrund vieler Ursachen wie Herz- Kreislauferkrankungen und Krebserkrankungen deutlich erhöhen. Dies trifft jedoch nicht zwangsläufig auf alle Menschen zu. Vor allem bei älteren Menschen kann ein höheres Körpergewicht einen schützenden Faktor darstellen. Oft ist auch die gesellschaftliche Diskriminierung von übergewichtigen Menschen krankmachend und führt zur Beeinträchtigung des psychischen und sozialen Wohlbefindens. Viele Faktoren wie Alter, Geschlecht und medizinische Co-Faktoren sollten in der Entscheidung, ein bestimmtes Körpergewicht anzustreben, berücksichtigt werden.
Do, 07.04.2011, 18.00-19.30, Volkshochschule Simmering, 1110, Gottschalkgasse 10
Eintritt frei
Esskultur und Essverhalten im gesellschaftlichen Wandel
A.o. Univ.-Prof. Dr. Karl-Michael Brunner, Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung
18.00-19.30, Volkshochschule Simmering, 1110, Gottschalkgasse 10 Eintritt frei
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