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Alles unter Kontrolle!
Ausgangslage
Sowohl in Bezug auf die Lebensqualität der Betroffenen als auch aus gesundheitspolitischer Sicht kommt der Prävention und Therapie von Harninkontinenz ein hoher Stellenwert zu: Mindestens ein Viertel der Pflegeheimeintritte und -einweisungen wird direkt oder indirekt auf Inkontinenz zurückgeführt (Wiener Seniorengesundheitsbericht 1997). Bis zu 70 Prozent der (haupt)betroffenen Frauen könnten ihr Leiden in den Griff bekommen durch gezieltes Beckenbodentraining, in anderen Fällen helfen Medikamente oder eine Operation. Das Leiden wird von Betroffenen, ÄrztInnen und in der Öffentlichkeit stark tabuisiert Unbehandelte Inkontinenz, kombiniert mit gesellschaftlicher Tabuisierung bedeutet für viele Betroffene vor allem eine starke psychosoziale Belastung:. Jede auch geringfügige Verbesserung ermöglicht den Frauen mehr Bewegungsfreiheit, Selbstbestimmung und Selbstkontrolle sowie mehr Selbstbewusstsein und Selbstkompetenz.
Das Wiener Programm für Frauengesundheit startete in Kooperation mit der Kontinenzberatung des FSW die wienweite Initiative „Alles unter Kontrolle!", ein Informationsprojekt zu Prävention und Therapie von Harninkontinenz bei Frauen.
Ziele
- Information der Wienerinnen über die Vorbeugung und Behandlung von Harninkontinenz
- Information von Personal in Gesundheitsberufen zur Enttabuisierung von Harninkontinenz
- Durchführung kostengünstiger Kurse für Beckenbodentraining in der Gruppe
Zielgruppe
- Frauen in Wien
- Angehörige von Inkontinenz betroffener Frauen
- ÄrztInnen, Pflegefachkräfte, SozialarbeiterInnen
Methodik & Inhalte
Phase I: Informationsarbeit:
In der 1. Hälfte des Jahres 2005 wurde eine Informationskampagne zur Aufklärung und Sensibilisierung durchgeführt:
- Wienweite Verteilung eines frauenspezifischen Informationsfolders und -posters („Tun Sie etwas für Ihre Blase“)
- Publikumsveranstaltung in der Urania.
- Medienarbeit
- Schreiben an niedergelassene ÄrztInnen und ApothekerInnen in Wien, zum Abbau von Schamgefühlen ihrer Patientinnen beizutragen.
- Fachveranstaltung für Angehörige von medizinischen und Pflegeberufen zum Thema Enttabuisierung, daran nahmen 90 MultiplikatorInnen teil.
Phase II: Beckenbodentraining-Kurse:
Von Herbst 2005 bis Dezember 2006 wurden kostengünstige Beckenbodentrainingskurse für Frauen angeboten. Alle Kurse leitete eine diplomierte Physiotherapeutin. Kursort waren die Gesundheits – und Beratungszentren. Insgesamt fanden 18 Kurse statt, an denen 159 Frauen teilnahmen. Ein Kurs umfasste 10 Einheiten, der Selbstbehalt pro Teilnehmerin betrug 30 Euro. Die Evaluierung ergab:
- Das Interesse an Prävention durch Beckenbodentraining umfasst alle Altersgruppen: 28 % befanden sich zur Zeit des Kurses in den Wechseljahren, 37,5 % noch nicht und 31 % nicht mehr. Die jüngste Teilnehmerin war 23, die älteste 88 Jahre alt.
- Motive zur Teilnahme: Zwecks Vorbeugung kamen 33,5%, aus "Angst vor einer zukünftigen Blasenschwäche" nahmen 29 Prozent teil und wegen bereits vorhandener Blasenprobleme haben 29,5 Prozent teilgenommen.
- Ein wichtiges Ziel des Kurses war auch die Enttabuisierung der Blasenschwächen-Thematik. 34 % war es nach dem Kurs weniger peinlich über Blasenschwäche zu sprechen.
Die Nachfrage nach leistbaren Kursen ist hoch. Der Bereich Pflege im Fonds Soziales Wien plant, das Angebot kostengünstiger Kurse fortzuführen.
Finanzierung und Umsetzung
Wiener Programm für Frauengesundheit
Projektträger
Wiener Programm für Frauengesundheit und Kontinenzberatung im Fonds Soziales Wien
Kooperationspartner
Gesundheits- und Sozialzentren, Fonds Soziales Wien
Projektzeitraum
März 2005 – Dezember 2006
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